Der Tod in kleinen Schachteln

Wir alle kennen diesen Schriftzug. Raucher sterben früher. Klingt ziemlich einleuchtend und eindeutig. Aber kann man einem Menschen, der freiwillig die Gase der Verbrennung von getrockneten Blättern eines südamerikanischen Nachtschattengewächses inhaliert - wohl wissend, dass dies zu diversen Erkrankungen mit zum Teil tödlichem Ende führen kann - zutrauen, dass er weiß: Früher als was?
Früher als der gewöhnliche Nichtraucher? Unter Umständen.
Früher als ein 79 Jähriger der auf der Autobahn nachts Dreirad fährt? Unwahrscheinlich.
Früher als die Musca domestica? Auf keinen Fall.
Früher als die Deutsche Eiche? Auf jeden Fall.
Früher als die Geochelone nigra? Auf jeden Fall.
Jemand der sich einen frühen Tod in der Schachtel kauft, sollte seinen ohnehin nicht allzu hohen Intellekt nicht mit derartig quälenden Fragen belasten. Er sollte lieber einen fanatischen Fernsehzauberer von Pro7 suchen, der in einem seltsamen Gewirr von gebrochenem Deutsch und Englisch erklärt, warum Rauchen schlimm ist und über die durch Plasmagas angeregte Leuchtstoffscheibe den Willen zum aufhören verteilt.
Aber die Raucher sind ja nicht selbst schuld. In immer mehr Schulen, Bibliotheken, Universitäten, auf immer mehr Spielplätzen, Parkanlagen, Krematorien und Kohlekraftwerken ist das Rauchen untersagt. Kein Wunder also, dass da der Selbsterhaltungstrieb evolutionär verschwindet. Außerdem ist Rauchen cool, Leben nicht.






17.02.2008 21:22
Ich geh´ kaputt, rauchst du mit?
Also leichter kann man es den Rauchern ja nicht mehr machen.
Die Schachtel kostet über 4€ (8DM), die Raucher haben den Status der Vogelfreiheit, die Zigaretten-Lobby hat sich auch aufgelöst.
Was soll noch kommen um die aufklärungsresistenten Raucher zu überzeugen?
Nichts, denn sie sind süchtig und damit immun gegen jegliche Form von Argumentation.
Der größte Skandal ist jedoch, dass die Raucher sich selber als tolerante Menschen bezeichnen, es aber nicht akzeptieren können, dass Nichtraucher sich ein Leben ohne Qualm wünschen.
Ansonsten kann man jedem Raucher mit Internetanschluss und rudimentären Google-Kenntnissen empfehlen nach Wörtern wie “raucherbein” , “raucherlunge” und/oder Larynxkarzinom zu googeln.
… aber ich kannte mal einen, der einen kannte dessen Bruder an Lungenkrebs verstarb und der hatte noch nie in seinem Leben geraucht.
26.02.2008 21:13
Fareus, ohne dich persönlich angreifen zu wollen:
Ich halte dein Weltbild für … unglücklich.
Apostel haben so keine Chance.
Die Raucher haben nicht den Status der Vogelfreiheit - sie werden nach allen Regeln der Kunst verbannt und sind süchtig.
Und was sagt uns das? Sehen wir doch besser zu, dass Raucher aussterben - indem wir ihnen nicht noch eine Packung schenken sondern dafür Sorge tragen, mit dem konsequenten Entzug jeglicher Werbung Nachahmer zu vermeiden.
Erlaubt den Rauchern, die Zigarettenindustrie im großen Stil zu verklagen und für die Kosten der Entwöhnung sorgen zu müssen.
Dieses Karzinom-Gerede bringt nichts.
1. Empirische Erhebung
2. Es ist inzwischen bekannt, dass das niemanden abschreckt. Logisch eigentlich. Fahren alle noch Auto, obwohl es so viele Verkehrsopfer gibt. Und die unverbrannten Benzole aus dem Vergaser … ja … könnten die nicht die Auslöser für Karzinome sein?
Dass du es skandalös nennst, wenn sich Raucher tolerant nennen, dann kann jeder den Spieß umdrehen und sagen, dass du das Gegenteil repräsentierst - und das bezieht sich jetzt nicht auf “skandalös” …
Richtiger wäre es, auf jene Rücksichtslosen zu schimpfen, die dir den Qualm ins Gesicht pusten. Nur findest du in dem Segment nicht nur Raucher - Rücksichtnahme halte ich für ein generelles Problem. Das kommt mir in vielen Beiträgen zu kurz.
Gruß
Holo
01.03.2008 15:11
“Jemand der sich einen frühen Tod in der Schachtel kauft, sollte seinen ohnehin nicht allzu hohen Intellekt nicht mit derartig quälenden Fragen belasten.”
Wenn es stimmt, daß in jeder Aussage auch eine Selbstauskunft über den Autor zu finden ist, dann versuchst Du mir wohl zu sagen “Ich habe einen hohen Intellekt!”
Dazu ist zu sagen: Eigenlob stinkt!
Helmut Schmidt z.B. ist meinetwegen arrogant, besserwisserisch und lästig mit seiner Qualmerei. Aber mangelnder Intellekt? Das kann man ihm wohl nicht vorwerfen.
Persönliche Schwächen haben einfach nix mit Intelligenz zu tun.
01.03.2008 18:29
Ich würde Mariks Beitrag als höchstironisch einschätzen - wenn nicht komplett, dann wenigstens mit ironischen Spitzen (wie z.b. dein Zitat).
Der Intellekt bezieht sich wahrscheinlich nicht auf einen Intelligenzquotienten, eher auf Willensstärke, Konsequenz und Selbstbeherrschung.
02.03.2008 21:23
Asche auf mein Haupt, das hab ich nicht gerafft. Muß Dir bei nochmaligem Lesen rechtgeben. Danke für den freundlichen Hinweis.
Allerdings:
Wenn man Willensstärke, Konsequenz und Selbstbeherrschung meint, soll mn nicht Intellekt schreiben. Das ist nun wirklich was Anderes.
03.03.2008 17:11
Da hast du Recht, Olaf.
Aber der Intellekt könnte das ganze sehr stark überspitzt darstellen.
Und Intellekt hat ja nicht nur mit Intelligenz zu tun…
Ich bin mir aber nicht sicher, ob mehr “Intellektuelle” rauchen als “Nicht-Intellektuelle”.
03.03.2008 17:39
Statistisch gesehen ist der Raucheranteil unter Personen mit geringerer Bildung deutlich höher als der Anteil in intellektuellen (z.B. akademischen) Personenkreisen.
Referenz: Rauchen und soziale Ungleichheit – Konsequenzen für die Tabakkontrollpolitik [PDF]
03.03.2008 20:06
Danke, Dennis.
Du hast das gefunden, das ich suchen wollte.