“Investieren wie der Fürst”
… wirbt eine liechtensteinische Bank auf ihrem Internetauftritt. Fürstlich investiert hat auch Klaus Zumwinkel. Was ein Ermittlungsverfahren gegen den ehemaligen Vorstandsvorsitzenden eines großen Postdienstleisters ins Rollen gebracht hat, greift nun um sich: Eine Unzahl von mutmaßlichen Steuerhinterziehern, die jährlich insgesamt mehrere Milliarden Euro am Fiskus vorbei in paradiesähnliche Oasen für vielverdienende Manager schleust, muss nun die Katze aus dem Sack lassen.

Hier wird fürstlich gewohnt: Schloss Vaduz in Liechtenstein
Die traditionellen familienrechtlichen Stiftungen sind das Finanzierungsinstrument, was eine Investition im kleinen Liechtenstein so lukrativ macht. In Deutschland denkt man bei ‘Stiftung’ an Gemeinnützigkeit. Zum Beispiel an die Fjodor O. Stiftung für persönliche Bereicherung, die seit vielen Jahren minderjährige Prostituierte im malerischen Vaduz schult. Die intensiven Lehrgänge beschäftigen sich mit der Aufklärung über Geschlechtskrankheiten, Markteffizienz, Verhütungsmitteln und Kapitalanlagen. Gründer Fjodor O. legt dabei großen Wert auf Traditionserhaltung und eine gute Lebensqualität. “Die Errichtung einer Stiftung ist das beste, was uns bei der Verfolgung unserer gemeinnützigen Funktion passieren konnte.”, so O. Ein grober Fehler, wie O. später feststellen musste: Auch bei ihm klingelten in der vergangenen Woche die Ermittlungsbeamten. Ihm wird Steuerhinterziehung und Betrug - zu Unrecht - vorgeworfen. Große Geldsummen gutgläubiger Spender soll er veruntreut haben.
Doch wie sich unlängst herausstellte, gibt es im konstitutionell erbmonarchischen Liechtenstein nicht nur weiße Schafe. Schon früh entdeckten unersättliche Vielverdiener den Binnenstaat als anonyme und - aufgrund des Bankgeheimnisses - risikoarme Investitionsmöglichkeit. Die vermeintliche Risikoarmut hat sich nicht bewahrheitet: Korruption und Bestechung gibt es auch im Treuhandwesen. Beim biederen Bundesnachrichtendienst ging ein Angebot ein, das niemand abschlagen konnte. Amtshilfe wurde zu Hehlerei im großen Stil. Und während sich die emsige Justiz mit der blamablen Loge verbrüdert, hagelt es in beiden Staaten subtile Anschuldigungen sowie eine beträchtliche Anzahl an Strafanzeigen: Steuerhinterziehung, Betrug, Untreue, Ausspähen von Daten, Hehlerei, Schmuggel. Hört sich nach Staatskrise an.

Hier wird fürstlich investiert: Eine Bank in Vaduz, Liechtenstein
Besonders bemerkenswert ist die große Verblüffung über die Steueroase nebenan. Die Dunkelziffer wird groß sein. Neben Liechtenstein, der Schweiz, Monaco, den Kaiman-Inseln oder Mauritius existieren schließlich noch ad infinitum andere Offshore-Finanzplätze mit verlockenden Nummernkonten und Briefkastenfirmen.
Steuerhinterziehungen wird man in einer mit Abgabenverordnungen gut bestückten Nation nicht verhindern können. Zumal auch ca. 90% der finanzpotenten Straftäter halbwegs ungeschoren davon kommen werden, entfällt der pädagogische Denkzettel-Effekt. Die mühsame Hetze und die penetrante Treibjagd wird sich schlussendlich als Niete herausstellen. Als Los ohne Gewinn, wie man es von der vorbildlichen großspurigen, mediengeilen Rechtspflege gewöhnt ist.






23.02.2008 12:58
Für die Millionäre scheint es ein Sport zu sein, die Steuerhinterziehung. Eine gewollte Schädigung des Staates kann ich mir kaum ernsthaft vorstellen. In manchen Kreisen -schwer nachzuvollziehen, gehört man nicht dazu- scheint das Thema “Geld” ja das einzig beherrschende zu sein.
Doch welcher Kleinbürger mogelt nicht bei seiner Steuererklärung, sodass er ein paar Zehner oder Hunderter am Ende des Jahres zurück bekommt?
Es ist klar, die Verhältnisse sind nicht zu vergleichen, auch hat der Kleinbürger nicht die Möglichkeiten und das Finanzvolumen, großflächig Steuerbetrug zu betreiben.
Auch ist fraglich, warum beim Kleinbürger das Finanzamt so viel darauf verwendet, kleine Steuerbetrüge aufzudecken, aber viele Großverdiener scheinbar ungeschoren davon kommen.
Trotzdem ist keines zu verharmlosen. Bloß, weil der Kleinbürger nur um 50€ bescheißt, ist diese Maßnahme nicht besser oder weniger schlimm als die hinterzogene Million vom Großverdiener.
Jeder sollte vor der eigenen Haustür kehren…
23.02.2008 17:37
Das trifft zu. Schockierende Zahlen dazu gibt’s hier.