Kufiya - Judenhass als modisches Accessoire
Meinen heutigen Artikel jugendlichen Leichtsinns widme ich einer neuen, unabhängigen antiamerikanischen Punk (?) Bekleidung.
In der letzten Zeit sind mir in der Schule und auf der Straße immer mehr Jugendliche mit diesem modischen Accessoire aufgefallen, sodass ich mich moralisch gezwungen sah, hierzu ein paar Zeilen zu dichten.
Die Kufiya oder auch Palästinensertuch (kurz: Palituch) gibt es im arabischen Raum schon sehr lange. Anfangs als Schild gegen Hitze gebraucht, wuchs es spätestens in den 1930ern zu einem internationalen politischen Symbol. Der Mufti von Jerusalem Amin al-Husseinis erklärte dieses schicke Tuch zum Symbol des Kampfes gegen die Kolonialherrschaft Großbritanniens, welche von 1922 bis 1948 das Völkerbundsmandat für Palästina organisierte. Ferner sollte es die von Amin al-Husseinis und Teilen der arabischen Palästinenser dargelegte Judenfeindlichkeit symbolisieren.
Zur Gründung der PLO (Palästinensische Befreiungsorganisation) 1964 wurde das Tuch erneut für politische Zwecke genutzt. Jassir Arafat, ab 1969 Vorsitzender der al-Fatah, einer Fraktion der PLO, verwandte das Tuch zu medienwirksamer Zurschaustellung seiner kriegerischen sowie terroristischen Vergangenheit.

In Deutschland fand zu dieser Zeit eine eigene bemerkenswerte Gründung statt: Gudrun Ensslin, Andreas Baader, Ulrike Meinhoff und Horst Mahler gründeten 1970 die rote Armee Fraktion, kurz RAF. Diese terroristische Organisation tötete bis zum Untergang der RAF um 1982 34 Menschen. Das Tragen der Kufiya wurde damals mit einer antiamerikanischen, antiimperialistischen und äußerst linken Weltanschuung gleichgesetzt. Verbindungen zu Armin al-Husseinis dargelegten Kampf gegen Kolonialherrschaft werden hier billigend in Kauf genommen.
In jüngster Zeit benutzen auch rechtsgesinnte Gruppierungen die Kufiya als Darstellung einer antijüdischen Ausrichtung. So benutzt jede Gruppierung ihre Konnotation der Kufiya als Weg, ein Gemeinschaftsgefühl auch nach Außen darzustellen.
Fernab dieser politischen Instrumentalisierung historischer Symbole und Kleidungsstücke findet die Kufiya einen weiteren Einzug in die Schulen und Straßen Deutschlands. Viele jüngere Jugendliche benutzen ihn als Schal und stellen sich so in eine Reihe der Gemeinschaftssentimentalität. Der Glorifizierung einer politischen Ideologie steht hier nicht im Vordergrund, eher das bewusste Eingliedern in eine tolle Gemeinschaft. So wird kein Jugendlicher die historische Herkunft dieses Kleidungsstückes kennen, dieses jedoch aus ästhetischen Gründen tragen.
Amin al-Husseinis wäre bei dieser Ausweitung der Kufiya sicherlich stolz gewesen. Anfangs ein normales Sonnentuch wurde es im Laufe der Geschichte mit Konnotationen beladen, um schlussendlich als salonfähiges Modeaccessoire Modeherzen zu beglücken.
Alas, Informationsgesellschaft.
Bild 1: mightymightymatze @ Flickr






08.03.2008 17:25
Sehr guter Beitrag über ein unglaubliches Phänomen!