Fitna, der Film - Eine Abrechnung mit der Toleranz
Wie kürzlich schon in den Nachrichten angekündigt, hat Geert Wilders, ein niederländischer Politiker und “Islamkritiker”, am gestrigen Donnerstag seinen anti-islamischen Film “Fitna” (arabisch für Zwietracht, Aufruhr, Heimsuchung) auf der Internetseite “LiveLeak” veröffentlicht.
Wie zu erwarten war, besticht der etwa 15 minütige Film nicht durch knallharte Argumentation, sondern durch schockierende Bilder - weshalb er auch erst ab 18 freigegeben ist.
Wilders präsentiert in seiner englischen Berichterstattung lediglich ausgewählte Suren aus dem Quran und gibt anschließend “Beispiele” für deren Umsetzung. Die Auswahl an Suren ist stark selektiv und es wurden Suren ausgewählt, die anti-semitische und anti-muslimische Gedanken zum Ausdruck bringen.
Die darauffolgenden Beispiele sollen den Zuschauer schockieren, anekeln und einen Hass auf den Islam entwickeln lassen. Dieses gelingt teilweise, da die dort präsentierten Taten zu verabscheuen und an Unmenschlichkeit und Intoleranz nicht zu überbieten sind.
Es wird jedoch fälschlicherweise der Eindruck vermittelt, jeder Muslim wolle die Weltherrschaft übernehmen und mit seiner Religion und der Hilfe Allahs Amerika und Europa dominieren. Die Taten der radikalen Islamisten werden als Beispiele für “typische” Muslime herangezogen.
Der Zuschauer muss sich aber im Klaren sein, dass die dargestellten Islamisten absolute Ausnahmen sind; ebenso wie bei Christen die Kreationisten Ausnahmen darstellen und nicht repräsentativ für die gesamte Religionsgemeinschaft stehen. Weiterhin gibt es in jeder Bevölkerungsschicht, in jeder Religion und auch in jedem Land politische oder andere radikale Meinungen und Ansichten, die teilweise auch vertreten werden (als Beispiel: Neonazis und deren fremdenfeindliche Übergriffe in Deutschland).
Wilders versäumt , eine Gegenposition darzustellen. Er lässt lediglich orthodoxe und anti-amerikanische Muslime zu Wort kommen und zeigt Plakate einiger radikal islamischer Protestanten. Die Meinung des Großteils der Bevölkerung lässt er außer acht.
Er warnt vor der Immigration von Muslimen und präsentiert, wieviele Muslime bisweilen in Holland und Europa leben (ca. 54.000.000 Muslime europaweit). Dass dieses Zusammenleben fast immer friedlich verläuft wird nicht erwähnt.
Ich persönlich finde den Film erschreckend, nicht nur der Brutalität und Intensität der dargestellten Gewaltakte wegen.Geert Wilders versucht auf primitivste Art und Weise Angst zu schüren und den Zuschauer massiv durch einseitige Berichterstattung zu beeinflussen. Er versucht, eine Weltreligion zu pauschalisieren und diese als intolerant und veraltet darzustellen, diffamiert sie sogar. Durch solche Veröffentlichungen wird es immer schwerer, einen anständigen und vernünftigen Dialog zwischen den Religionen einzurichten.
Ansonsten kann ich jedem nur empfehlen, sich den Film anzusehen und sich eine eigene Meinung zu bilden.






29.03.2008 10:16
Ich finde den Film nicht mal erschreckend. Wie zu erwarten war, wurde vom aufmüpfigen Islam-Kritiker natürlich stark polarisiert. Der Kurzfilm ist stumpf und dilettantenhaft; nichts mehr als aus dem Zusammenhang gerissene Verse aus dem Koran.