Klein, grün und … überflüssig
Politisch-ökonomisch gibt es viele Ansätze für nachhaltige Entwicklungshilfe: Die Bekämpfung von Hungersnot, die Konzeption adäquater Trinkwasserversorgungen und landwirtschaftlicher Bewässerungssysteme, die Erschaffung lebensnotwendiger Gesundheitsinfrastruktur oder die gezielte Steigerung der Bildungsstandards in Ländern der Dritten Welt.
Die meisten Zumindest einige Projektinitiatoren legen dabei viel Wert auf direkte Hilfe. Hilfe, die für bedürftige Bevölkerungsgruppen vor Ort greifbar und langfristig wertvoll ist. Dabei fällt das bereits seit 2005 gegenwärtige Ansinnen der NPO One Laptop Per Child aus dem Rahmen: Hier setzt man nicht auf bedarfsorientierte Hilfe am Menschen. Hier produziert man Hightech. Hier lobpreist man einen tragbaren Computer, den hungernde Afrikaner genauso wenig gebrauchen können wie einen Lastwagen voller Staubsauger, Lockenstäbe, Espressomaschinen oder Heizkissen.
Wir blicken zurück auf die Schweiz im Januar 2005: Damals stellte der amerikanische Informatiker Nicholas Negroponte seine Idee der Entwicklung eines für Kinderhände und extreme Witterungsbedingungen geeigneten Laptops auf dem jährlichen Gipfeltreffen des World Economic Forum vor.
Das WEF steht für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen Managern international agierender Wirtschaftsunternehmen, Politikern und Entwicklungshelfern zwecks weltweiter Verbesserung von Lebensbedigungen. Dass es bei wirtschaftsorientierten Initiativen im Hintergrund größtenteils um Gewinnmaximierung und schöngefärbte Reputation geht, steht außer Frage. Der Anteil an Entwicklungshelfern aus gemeinnützigen Organisationen, die zu Gast beim WEF-Gipfel sind, besteht übrigens lediglich aus 8%, was nicht zuletzt Anlass für Kritik und Demonstrationen seitens vieler Globalisierungs- und Kapitalismusgegner ist. Wir erinnern uns an den G8-Gipfel in Heiligendamm: Auch hier gab es bereits im Vorfeld etliche Großdemonstrationen gegen die fadenscheinige Entwicklungspolitik, die positive Tendenzen aus Sicht der Gegner mehr oder weniger ausbremst und nicht vorantreibt.

Freches Design, unverschämtes Projekt: Der 100-Dollar-Laptop
Zurück zum sog. 100-Dollar-Laptop, oder auch geschmackvoller: Zur Children’s Machine. Seit 2005 wurde das Konzept des tragbaren Computers kontinuierlich weiterentwickelt und für die Bedürfnisse des Kundenstamms von Morgen optimiert. Nach der Ausgliederung des Projekts One Laptop Per Child aus dem MIT Media Lab, einer Fakultät der Universität Massachusetts Institute of Technology, liebäugeln auch verschiedene Konzerne aus dem IT-Bereich mit der tatkräftigen und finanziellen Unterstützung der Non-Profit-Organisation. Selbstverständlich nich ohne Hintergedanken: Neben der angeblichen Beseitigung der sog. digitalen Kluft zwischen ungleich entwickelten Ländern, zieht jedes beteiligte Unternehmen aus dem Vorhaben wirtschaftlichen Nutzen und erlangt damit einen maßgeblichen Vorteil gegenüber der Konkurrenz.
Trotz zahlreicher Einsparungen und Abstriche in Hinblick auf die eingesetzte Technik, konnte der utopische Preis von 100 US-Dollar bisher nicht erreicht werden: Seit September 2007 liegt der Preis des Laptops bei ca. 188 US-Dollar. Seitens der Initiative OLPC stirbt der Optimismus natürlich nicht aus, aus anderen Perspektiven sind jedoch längst Stimmen laut geworden. So kritisiert Lorenz Matzat im Online-Magazin Telepolis den astronomischen Kostenaufwand für Entwicklungsländer. Selbst bei einem materiellen Preis von rund 100 US-Dollar, würden die Begleitkosten für die Ausbildung von Lehrkräften sowie Technikern und die finanziellen Auslagen für die Wartung der Geräte den Etat eines Entwicklungslandes in Millionenhöhe sprengen, so Matzat. Zum Vergleich: Für 100 US-Dollar können in vielen afrikanischen Schulen im Hinterland ganze Klassenräume neu eingerichtet werden. Zu Recht lehnte auch der indische Staatssekretär Sudeep Banerjee vom Minitry of Human Resource Development das Konzept des 100-Dollar-Laptops mit der Begründung, dass die Finanzierung geeigneter Klassenräume und Lehrkräfte vorrangig ist, ab. (Siehe dazu: heise online vom 25.07.2006)

Ästhetik: Der XO im Einsatz in einem desolaten Klassenzimmer mit WLAN-Hotspot, Nigeria
Das Fazit ist für mich eindeutig: Das geplante Unterfangen ist, wie sich herausstellte, viel zu teuer und erfüllt letzten Endes nicht den gewünschen Kosten-Nutzen-Aspekt. Hier spielt man mit dem visionären Gedanken einer digitalisierten und vernetzten Wellblechhütte, während in vielen Slums entwicklungsbedürftiger Städte und Länder noch Zugang zu fließendem Wasser und Elektrizität fehlen. Bildung ist für die junge Bevölkerung einer unterentwickelten Nation von unschätzbarem Wert. Der Aufbau einer IT-gestützten Bildungsinfrastruktur ist in von Armut geprägten Gebieten hingegen ein falscher Ansatz.
Bild 1: delayed gratification @ Flickr
Bild 3, 4: OLPC @ OLPC Wiki






29.03.2008 13:59
100$ sind schon einiges wenn man sich mal das Mikrokreditprinzip ansieht, kleine Geldbeträge die direkt in die zu fördernde Wirtschaft eingehen und somit die Kaufkraft z.B. eines ganzen Dorfes verbessern. Zudem ist bei diesen kleinst Krediten die Rückzahlrate unwahrscheinlich hoch, wie viel Nutzen aus so einer kleinen Kiste tatsächlich erwächst ist fraglich.
30.03.2008 12:50
Ich finde euren Artikel unpassend. Dieses Projekt basiert auf Spenden und hat als Zielträger nicht die hungernden Kinder in Afrika. Hier geht es um die Förderung von Schwellenländern, welche Industrialisierung anstreben, nicht um Buschvölker die noch gar nichts haben.
30.03.2008 17:11
Was machen dann XOs in Uruguay, Nigeria oder Peru, wenn die Initiatoren Schwellenländer im Auge hatten? Im Übrigen besteht das Spenden-/Stiftungsmodell erst seit kurzer Zeit. Ein Übereinkommen mit Libyen schlägt mit 250 Millionen US-Dollar zu Buche; von Spenden keine Rede. Nigeria müsste für eine Ausstattung der Erstklässler mit den teuren Geräten 1.7 Milliarden US-Dollar hinblättern, also 15% des Staatshaushalts. Ohne dass ein Großkonzern einen Teil seines Nettojahresgewinns dafür abdrückt, bleibt es ein Mammutprojekt.
16.06.2008 20:24
Drum stelle man die Frage wem würde es nützen, und siehe da, die Geschäftsfelder sind klar umrissen. Eine Hilfe dürfte dieses Kistchen nicht sein, löblicher sind da diejenigen, welche auf privater Basis solche Gerätschaften gebraucht, dafür aber Kostenneutral an den Man(n) oder die Frau bringen. Die 100$ sind sinniger für Hilfe zur Selbsthilfe, aber das dürfte in den seltensten Fällen funktionieren, die Gier der Menschen wird es zu verhindern wissen.