R.I.P. Nokiawerk Bochum

Aus gegebenem Anlass ein Dankeschön für die tolle Arbeit der Vergangenheit.

Ich verlasse Nokia mit einem lachenden und einem weinenden Auge.

- Meine Augen haben Kopfschmerzen.




 Kommentare

  1. Mirko http://www.unbequem.net/

    Tja, hätten die Bochumer sich ne Musikhalle gebaut, dann wäre Nokia zwecks Standortbindung und Image da geblieben. Bochum hat eine? ups… ;-)

  2. Dennis http://www.unbequem.net/

    Bei der Diskussion um das Bochumer Nokiawerk wird vehement auf die Tränendrüse gedrückt: In den Medien sieht man verheulte Gesichter und ehemalige FließbandarbeiterInnen, die die Schließung so in Szene setzen, als ob eine Massenbeerdigung bevorsteht.

    Zwei Jahre früher wunderte man sich solidarisch über die schlechten wirtschaftlichen Zustände in den neuen EU-Ländern. Sobald Nokia aber erkannte, dass der Standort Deutschland zu ineffizient arbeitete und es nun an der Zeit war, das Fließband in einem Entwicklungsland in Betrieb zu nehmen, fuhr die fuchsteufelswilde Belegschaft schweres Geschütz auf und es regierte plötzlich der blanke Hass. Der blanke Hass gegenüber der Globalisierung, der Entwicklung Osteuropas und gegenüber den Managern (die übrigens auch ihren Job verlieren, wenn sie nicht mehr profit- und effizienzorientiert entscheiden).

    Willkommen in der Realität.

  3. Mirko http://www.unbequem.net/

    Zwei Jahre früher wunderte man sich solidarisch über die schlechten wirtschaftlichen Zustände in den neuen EU-Ländern. Sobald Nokia aber erkannte, dass der Standort Deutschland zu ineffizient arbeitete und es nun an der Zeit war, das Fließband in einem Entwicklungsland in Betrieb zu nehmen, fuhr die fuchsteufelswilde Belegschaft schweres Geschütz auf und es regierte plötzlich der blanke Hass.

    Die alte, leidige Diskussion. Ab wann ist ein Standort ineffizient?

    Laut Nokia-eigenen Angaben arbeitete der Bochumer Standort alles andere als unwirtschaftlich, der Produktionsstandort Bochum warf sogar satte Gewinne ab. Warum war der Standort also ineffizient?

    Als nette Anekdote am Rande ist zu erwähnen, dass Nokia die Arbeitnehmer im neuen rumänischen Werk ausnutzt, man könnte von systematischer Ausbeutung sprechen. Es werden Löhne weit unter Landesdurchschnitt gezahlt, und selbst die sind für unsere Verhältnisse schon verdammt niedrig.

    Es geht um Gewinnmaximierung um jeden Preis. Außer den Vorstandsmitgliedern und den AKtionären profitiert niemand von dieser Entwicklung, eher im Gegenteil, sie schadet vielmehr. Leider sitzen diese wenigen Menschen an den Hebeln, denn ihnen gehört die Firma, sie kontrollieren. Arbeitnehmermitsprache. Gemeinschaft wie im Mittelstand? Fehlanzeige.

    Ähnlich wie bei McDonalds, wo man auf den Burgern die Sesamkörner streicht, um 0,05ct pro Brötchen einzusparen. Macht bei drei Millionen verkauften Burgern 1500 Euro Gewinnspanne. Lächerlich, könnte manch einer denken. Aber wie gesagt: Gewinn um jeden Preis.
    Bei McDonalds bleibt nur der gute Geschmack auf der Strecke. Bei Nokia und bei vielen anderen Großkonzernen auch (mittelständische Betriebe haben nunmal nicht die Mittel zum ‘Outsourcing’ ins Ausland) geht es um Schicksale, Existenzen, Familien.

    Ja, das ist die Realität. Aber das ändert nichts daran, dass dieses Verhalten ausgesprochen asozial ist.

  4. Simon http://www.de

    Strebt da jm. ein BWL Studium an, Dennis?

    Du schreibst “Willkommen in der Realität”, dass aber gerade diese Tränendrüsensache die Realität der Bochumer Ex-ArbeitnehmerInnen ist verschweigst Du. Existenzen gehen verloren, man fällt in ein ALGII Loch aus dem man normalerweise nicht mehr raus kann. Dies bedeutet auch unausweichlich das Ausscheiden aus dem öffentlichen Leben, denn mit den Ansprüchen aus Hartz IV kann man nur schwerlich ins Theater gehen, Freunde zum Essen einladen oder mit den Kindern in den Zoo gehen.

    Was euch übrigens bewusst sein sollte: durch die Kapitalflucht der Unternehmen ins Ausland, wird der Standort Deutschland zunehmend verschlechtert. Denn wenn hiesige Arbeitsplätze ausgelagert werden, fallen zusätzliche Kosten für die Solidargemeinschaft an und die Sozialversicherungsbeiträge steigen für Arbeitgeber , wie für Arbnehmer. Es ist also gleich im doppelten Sinne schlecht für die deutsche Volkswirtschaft. Na ja, müßig mit einem Manager über Wirtschaftsethik zu diskutieren, denn Geld regiert die Welt blabla…

    Hauptsache die Rendite stimmt, und nach mir die Sinnflut.


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