Eine “unbürokratische Lösung”

“Willst du deine Klausur nachschreiben?”

… fragt meine Mathematiklehrerin am anderen Ende der Leitung. Es geht um die diesjährigen Mathematikklausuren, die Bestandteil des zweiten Zentralabitur-Durchlaufs im Land Nordrhein-Westfalen waren. Die originellen Aufgaben “Oktaeder” und “Basketball” haben sich im Nachhinein als Griff nach den Sternen entpuppt. Zu viel Fachwissen, zu viele Berechnungen habe man den Schülern abverlangt. Auch an meiner Schule war der Tenor dementsprechend: Sowohl die zuständigen Pädagogen als auch die betroffenen Schüler hielten das Niveau der Aufgabenstellung für bedeutend zu hoch.

AbiturprüfungWährend vom dickköpfigen Schulministerium in den letzten Wochen nur die Empfehlung “Locker bewerten” kam, entschied man sich gestern spontan für eine “unbürokratische Lösung”. Man halte die Widerspruchsverfahren für zu aufwendig und man habe bedacht, dass sich viele Abiturienten zeitnah mit ihrem Abschlusszeugnis um einen Studienplatz bewerben müssen. Der spontane Lösungsvorschlag kommt zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt: Die meisten Schulen haben den Schülern bereits ihre Abiturzeugnisse ausgehändigt, was wiederum zusätzlichen Verwaltungsaufwand verursacht. Die Abschlussfeierlichkeiten fanden bereits statt und zahlreiche Schüler befinden sich zur Zeit auf ihrer Abschlussfahrt. Hoffentlich haben sie ihre Mathematikbücher mitgenommen. Der Klausurtermin ist für den nächsten Dienstag anberaumt.

Ministerin Barbara Sommer setzt in der offiziellen Pressemitteilung mehr auf Augenwischerei als auf Selbsterkenntnis. Man spricht von einer “zweiten Chance” für Schüler und nicht für das Ministerium. Traurig aber wahr.




 Kommentare

  1. MalteS 

    Nachschreiben, wer will das schon…

    Es scheint im Ministerium so eine Sorte von Leuten zu geben, die von Abitur und ähnlichen keine Ahnung haben. Allen voran Ministerin Sommer, die ja in Mathe die absolute Niete war und das wohl auch noch ist. Sonst hätte sie wohl gemerkt, dass es nicht sehr überzeugend wirkt, wenn über 70 % der Schüler Probleme mit einer Aufgabenstellung haben, die ja fair sein muss, weil ja großkotzig drübersteht: Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes NRW!!!

    Schießlich ist das ja nicht die erste Pleite beim Zentralabi. Neben einem Atombenanschlaß auf Hiroshima und der Ernennung von Rostock zum größten Handelshafen der Welt hat dieser Haufen bisher außer viel Papierkrieg für Schulen, welcher natürlich auch von diesen bezahlt werden muss, nicht viel zustande bekommen. Jetzt die Krönung, dass man als Schüler seine Klausur wiederholen kann. Das die Ministerin nicht zugibt, dass sie mitverantwortlich ist, war zu erwarten, nur anstatt eigene Fehler zu korrigieren, müssen die Schüler darunter leiden, dass im Schulministerium anscheinend über 70% unfähige Leute sitzen.

    Wir sehen wozu das führt. Das Problem ist nur, dass der Schüler immer der Dumme ist und der Lehrer genauso. Schließlich müssen die jetzt zusehen, dass Aufsichten eingeteilt werden etc. Ein Chaos an den Schulen, von dem das Ministerium nichts mitbekommt. Aber sich immer grinsend vor die Kamera stellen und schön doof tun, das kann Frau Sommer richtig gut.
    Vielleicht sollte sie lieber mal wieder an die Tafel sehen und ihren Rückstand in Mathe nachholen. Vielleicht sähe auch sie dann ein, dass sie diejenige ist, die anderen die Fairnis entzieht und das 70% mehr sind als “einige”!!!

    Vielleicht…

  2. Simon http://www.de

    “Vier meiner Kinder mussten auch in die Nachprüfung. Sie sehen, das ist völlig normal.”

    Auf solche abwegigen Argumente muss man erstmal kommen. Wie mein Vadder immer zu sagen pflegt: “Die ist echt blond” oder auch “der wurde doch das Gehirn rausgevögelt”. Ich weiß, vulgär, doch wenn man sich mal in Rage geredet hat.

    Hatte übrigens Mathe, Bio Lk –> Jackpot

  3. Dennis http://www.unbequem.net/

    Ein guter Artikel zum Thema:

    http://www.zeit.de/2008/26/LS-Zentralabitur


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